„Wer liest, liest als er selbst und gleichzeitig als ein Anderer. Das gilt auch fürs Verstehen. Man versteht als man selbst und als ein Anderer. Das nicht allein Selbstbezogene, das Instanzhafte des Verstehens wollte die europäische Aufklärung im Blick auf den darin auftauchenden Anderen als Menschheit oder Universelles gedeutet wissen. Das hatte etwas Bravouröses. Doch dieser Mut ist aus mancherlei Gründen längst verflogen. Daher dürfen wir heute beim Lesen stets neu überrascht, erstaunt, bestürzt sein, wer es ist, der als jener Andere neben, mit und in uns liest und versteht. Dasselbe trifft im übrigen auch und vielleicht in noch höherem Maß fürs Schreiben selbst zu.“