„Wer liest, liest als er selbst und gleichzeitig als ein Anderer. Das gilt auch fürs Verstehen. Man versteht als man selbst und als ein Anderer. Das nicht allein Selbstbezogene, das Instanzhafte des Verstehens wollte die europäische Aufklärung im Blick auf den darin auftauchenden Anderen als Menschheit oder Universelles gedeutet wissen. Das hatte etwas Bravouröses. Doch dieser Mut ist aus mancherlei Gründen längst verflogen. Daher dürfen wir heute beim Lesen stets neu überrascht, erstaunt, bestürzt sein, wer es ist, der als jener Andere neben, mit und in uns liest und versteht. Dasselbe trifft im übrigen auch und vielleicht in noch höherem Maß fürs Schreiben selbst zu.“

Es ist der regengraue Morgen eines 3. Januar, an dem Arne, ein ehemaliger Biotech-Forscher, in Berlin das Flugzeug besteigt. Vor ihm liegt die Reise in einen anderen Kontinent, in die endgültige „Spurlosigkeit“, so hofft er. Hinter ihm liegen die Jahre seiner Ehe, vor allem aber die kurze, leidenschaftliche Beziehung zu der jungen Künstlerin Caroline. Erneut tauchen vor ihm die Bilder aus Paris, New York und Stockholm auf. So gerät er, während er noch einmal mit dem Laptop Carolines Stimme hört, immer tiefer in die Vergangenheit, in der sich glückliche und tragische Momente, Liebe und Gewalt wie in einem Kaleidoskop überlagern.

"Ich habe seit dem Ulysses von Joyce kein solches Leseerlebnis mehr gehabt.“ Martin Walser

KLÖPFER & MEYER - 2013, erscheint im Februar, ca. 340 Seiten, geb. mit Schutzumschlag und Lesebändchen. ISBN 978-3-86351-058-9